Prof. Dr. Claus Muss
Profilaktische Medizin und Ernährungsmedizin
FachaerzteZentrum

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Hormonsprechstunde



Was sind Hormone und welche Hormone können bestimmt werden?
Hormone sind körpereigene Botenstoffe. Sie werden von spezialisierten Zellverbänden in Hormondrüsen gebildet und dienen der Informationsübertragung im Körper. In der Regel gelangen die Hormone über das Blut an die Zielorgane. Dort befinden sich an oder in den Zellen spezielle Andockstellen (Rezeptoren), an denen ihre Nachricht gelesen werden kann. Die Informationen, die von den Hormonen übermittelt werden, sind in deren chemischer Struktur verborgen. Die Bindung des Botenstoffs an den Rezeptor setzt spezifische biochemische Reaktionen in Gang.

Hormone steuern die verschiedensten Vorgänge im Körper: Vom Blutzuckerspiegel über den Wasserhaushalt und den Blutdruck bis hin zur Schwangerschaft. Daneben beeinflussen sie das Verhalten und die Empfindungen eines Menschen. Der Hormonhaushalt ist durch komplexe, fein abgestimmte Rückkopplungssysteme geregelt.

Viele Krankheiten oder körperliche Leiden können auf Fehlleistungen und Störungen der verschiedenen Hormonsysteme beruhen. Die Ursachen können in Schäden der hormonbildenden Organe oder am Zielorgan selbst liegen. Auch Störungen des Transports der Hormone über den Blutweg kommen vor. Darüber hinaus gibt es Tumoren, beispielsweise der Lunge, die unabhängig von jeder Regelung Hormone bilden.

Wie funktioniert die Steuerung der Hormonproduktion?
Die Steuerung der Hormonproduktion erfolgt mit Hilfe von teilweise sehr komplexe, über mehrere „Stationen“ laufende Regelkreise. Der oberste Regler ist dabei häufig der im Zwischenhirn gelegene Hypothalamus. Er kontrolliert über seine sogenannten Releasing-Hormone (fördernde Steuerungshormone) und über seine Inhibiting-Hormone (hemmende Steuerungshormone) einen zweiten Regler, die ebenfalls im Zwischenhirn gelegene Hirnanhangdrüse (Hypophyse).

Diese wiederum beeinflusst mit ihren Botenstoffen direkt die Hormondrüsen in den verschiedenen Organen, also beispielsweise die Schilddrüse. Die Hormondrüsen sind also der letzte Regler in dieser Hierarchie. Sie wirken mit ihren peripheren Hormonen auf die ihnen zugeordneten Zielzellen ein und lösen so z. B. einen gewünschten Stoffwechselvorgang aus. Manche im Gehirn produzierten Hormone wirken aber auch ohne Umweg direkt an den Zielorganen, beispielsweise Oxytocin, das bei Schwangeren die Wehen auslöst.

Ein „klassischer“ hormoneller Regelkreis stellt der Schilddrüsenhormon Kreislauf dar:

Die Schilddrüsenhormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin) wirken so auf den Stoffwechsel ein, dass der Energieumsatz erhöht wird. Wenn der Körper mehr Energie benötigt, etwa weil wir uns anstrengen wollen, oder es kalt ist, registriert das der Hypothalamus, der daraufhin das Steuerungshormon TRH (Thyreotropin-Releasing-Hormon) ausschüttet. TRH sorgt für eine verstärkte Produktion des zweiten Steuerungshormons TSH (Thyreoidea-Stimulierendes-Hormon) aus der Hypophyse. TSH wiederum induziert die Freisetzung der Stoffwechselhormone T3 und T4 aus der Schilddrüse.

T3 und T4 wirken auf viele verschiedene Organe und stimulieren den gesamten Stoffwechsel. Es wird der Energieumsatz erhöht. Um eine Mobilisierung von Energiereserven über die Erfordernisse des Körpers hinaus, also eine unnötige Überproduktion zu vermeiden, hemmen die peripheren Hormone T3 und T4 je nach Konzentration die Produktion und Ausschüttung von TRH und TSH. Diesen Vorgang nennt man negative Rückkopplung.

Wie wirken die einzelnen Hormone?
Nachfolgend sind die verschiedenen, direkt wirkenden Hormone in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt und ihre Aufgaben kurz dargestellt. Dabei wird deutlich, welche komplexen Vorgänge die Botenstoffe im menschlichen Körper steuern. Hormone lassen sich nicht isoliert voneinander betrachten, da sie sich über viele Regelkreisläufe gegenseitig beeinflussen.



Der Hypothalamus bildet z.B. zahlreiche Releasing- und Inhibiting-Hormone, die Einfluss auf die Hormonregelkreise und damit auf die Produktion der direkt wirkenden Hormone nehmen. Daneben werden aber auch die ohne Umwege auf ihre Zielzellen wirkenden Hormone Oxytozin (u. a. Wehen auslösend) und Adiuretin (Regulation des Flüssigkeitshaushaltes) dort produziert.


Welche Hormone gibt es?
Nachfolgend wir eine Auswahl der wichtigen Hormone beschrieben und tabellarisch zusammengefasst.

Neurostress Hormone

Adrenalin
Adrenalin zählt zur Gruppe der so genannten Katecholamine. Weitere Katecholamine sind Noradrenalin, Dopamin und Serotonin. Adrenalin wird im Nebennierenmark und im sympathischen Nervensystem gebildet. Seine Ausschüttung wird von den Nerven des sympathischen Nervensystems gesteuert und bei körperlichem oder psychischem Stress veranlasst (z. B. Infektion, Operation, Angst, Ärger). Adrenalin setzt der Körper quasi „unter Strom, es bewirkt eine verstärkte Bereitstellung von Energie, erhöht den Herzschlag und Blutdruck, erweitert Atemwege und Pupillen und fördert den Sauerstoffverbrauch.

Dopamin
Dopamin zählt auch zu der Gruppe der Katecholamine. Es wird im Mittelhirn im Hypothalamus und in der Substantia nigra gebildet. Das Nebennnierenmark stellt aus Dopamin Adrenalin und Noradrenalin her. Dopamin selbst hemmt die Freisetzung von Prolaktin, und spielt bei vielen motorischen, emotionalen und geistigen Reaktionen eine Rolle. Darüber hinaus reguliert der Botenstoff die Durchblutung der Bauchorgane insbesondere der Niere. Ein Dopaminmangel liegt zum Beispiel bei der Parkinsonschen Krankheit (Schüttellähme) vor. Ein Dopaminmangel kann auch Ursache der tiefgehenden Erschöpfung (zentrale Fatigue) sein.

Serotonin

Serotonin wird vor allem im Hirnstamm und im Hypothalamus gebildet. Es vermittelt eine Verengung der Blutgefäße und steigert die Herzfrequenz sowie die Schlagkraft des Herzens. Außerdem steuert Serotonin im Zusammenspiel mit anderen Botenstoffen das Gefühlsleben, Schlafrhythmus, Sexualtrieb und die Körpertemperatur. Serotoninwerte sind häufig bei Erschöpfung, Müdigkeit und Kraftlosigkeit erniedrigt. Auch vermehrte Schmerzzustände wie Kopfschmerzen und Migräne lassen sich häufig auf einen Serotoninmangel zurückführen. Serotoninmangel findet man ebenfalls häufig bei Übergewicht. Patienten mit Hyperinsulinismus (vermehrten Hunger auf Süßes) zeigen oft einen Serotoninmangel. Auch Schilddrüsenhormone scheinen unter der Kontrolle des Serotonins zu stehen. Die Bestimmung des Serotonins wird daher bei Übergewicht angeraten. Eine gezielte Therapie entweder mit Antidepressiva (wenn notwendig) oder mit biologischen Vorstufen kann in Abstimmung mit der Laborkontrolle zu guten Therapieergebnissen beitragen.

Wichtig scheint auch die Erkenntnis zu sein, dass Serotoninvorstufen bei entzündlichen Darmerkrankungen nur ungenügend aufgenommen werden. Unter diesen Problemen können auch Patienten gehören die unter einer Fruktoseintoleranz leiden. Patienten mit Serotoninmangel neigen häufiger zu Migräneattacken und vermehrten Muskel- und Sehnenschmerzen (Fibromyalgie).



Sexual Hormone

Östrogen
Östrogen und Progesteron sind die weiblichen Geschlechtshormone GnRH (gonadotropin releasing Hormon), FSH (follikelstimulierende Hormon) und LH (luteinisierendes Hormon) ihre Steuerungshormone.

Östrogene werden vor allem in den Eierstöcken gebildet, außerdem im Mutterkuchen (Plazenta), der Nebennierenrinde und in geringer Menge auch im männlichen Hoden. Das wichtigste Östrogen ist das Östradiol. Die anderen beiden Östrogene Östron und Östriol sind weniger effektiv. Die Östrogenspiegel im Blut hängen vom weiblichen Zyklus und schwanken dementsprechend enorm.

Östrogene entfalten ihre Wirkung an vielen Stellen des Körpers. Sie verursachen u. a. den Eisprung und induzieren den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut in der ersten Zyklushälfte. Sie fördern den Transport der Eizelle durch den Eileiter und beeinflussen die Beschaffenheit der Scheidenschleimhaut und der Sekrete der Gebärmutter. Weiterhin fördern sie das Brustwachstum. In der Pubertät bewirken sie die Ausbildung der typischen weiblichen Geschlechtsmerkmale (Brüste, hohe Stimme und weibliches Behaarungs- und Fettverteilungsmuster). Östrogene stimulieren die Knochenreifung und hemmen den Knochenabbau. Sie senken den Cholesterinspiegel und führen zu vermehrter Wassereinlagerung im Gewebe. Außerdem wirken sie auf das Gehirn und beeinflussen so Stimmung und Verhalten.



Progesteron
Progesteron gehört wie Östrogen zu den weiblichen Geschlechtshormonen. Progesteron wird vorwiegend in den Eierstöcken und dort im Gelbkörper (Corpus luteum) und im Mutterkuchen (Plazenta) gebildet. Auch die Nebennnierenrinde produziert geringe Progesteron-Mengen, bei Erwachsenen beiderlei Geschlechts. Progesteron ist die „Grundsubstanz“ für viele andere Botenstoffe, wie z. B. Testosteron, Östrogen, Aldosteron und Kortisol.

Der Progesteronspiegel im Blut hängt von der Zyklusphase ab und unterliegt dementsprechend enormen Schwankungen. Progesteron ist während der zweiten weiblichen Zyklushälfte das dominierende Hormon. Es bereitet die Gebärmutter auf das Einnisten einer befruchteten Eizelle vor. Wenn tatsächlich eine Schwangerschaft eintritt, sorgt es für ihren Fortbestand und bereitet die Brustdrüse auf die Milchproduktion und die Milchabgabe vor. Progesteron erhöht zudem die Basaltemperatur. Das ist die Temperatur, die sofort morgens nach dem Aufwachen gemessen wird.

Künstlich hergestellte Hormone, die dem Progesteron ähneln, nennt man Gestagene. Sie werden zur Schwangerschaftsverhütung bei der Anti-Baby-Pille und zur Therapie einiger hormonproduzierender Tumore eingesetzt.

Bei Frauen vor den Wechseljahren sollte zur Progesteronbestimmung der 22. oder 23. Zyklustag gewählt werden. Die günstigste Tageszeit ist vier bis fünf Stunden nach dem Aufwachen. Vorher sollte die Frau nicht ihre Brust abgetastet haben. Progesteronwerte sind häufig in der Menopause erniedrigt und Ursache für viele Beschwerden. Eine Therapie mit bioidentischen Hormonen kann diesen Mangel ausgleichen.

Prolaktin
Prolaktin wird in der Hypophyse gebildet. Es steuert bei der Frau nach einer Geburt den Milcheinschuss in die Brust und indirekt den Menstruationszyklus. Beim Mann besitzt es Einfluss auf die Fruchtbarkeit. Seine Ausschüttung wird durch das Saugen an der Brustwarze sowie über die Steuerungshormone PRL-RH (Prolaktin-Releasing-Hormon) und PRL-IH (Prolaktin-Inhibiting-Hormon) des Hypothalamus beeinflusst.


Testosteron
Testosteron ist das wichtigste männliche Geschlechtshormon (Androgen). Bildungsort sind vor allem die Hoden. Bei Frauen produzieren die Eierstöcke und die Nebennierenrinde auch geringe Mengen an Testosteron. Produktion und Ausschüttung des Testosterons werden durch ein Hormon der Hirnanhangsdrüse, dem luteinisierenden Hormon (LH), gesteuert. Testosteron wird durch Enzyme ab- und umgebaut. Dabei entstehen unter anderen Androstendion, Androsteron und Dihydrotestosteron, das wirksamer als Testosteron ist.

Testosteron fördert den Eiweißaufbau. Daraus resultiert ein im Vergleich zur Frau stärkeres Knochen- und Muskelwachstum beim Mann. Außerdem senkt Testosteron den Cholesterinspiegel.

Im männlichen Organismus ist Testosteron für die Entwicklung der Geschlechtsorgane (Hoden, Prostata, Penis), die Ausbildung der typisch männlichen Geschlechtsmerkmale (Behaarung, tiefe Stimme, spezifische Fettverteilung) und die Samenbildung zuständig. Testosteronmangel kann ein Grund für die zunehmende Gewichtszunahme bei Männern (-> Metabolisches Syndrom) sein. Das sogenannte metabolische Syndrom geht bei Männern über 40 häufig mit einem Mangel an Testeron einher.

Bei der Frau bewirkt Testosteron eine allgemeine Vermännlichung (Virilisierung) und einen gesteigerten Geschlechtstrieb (Libido).
Testosteron wird bei vielen Funktionsstörungen therapeutisch angewendet. Außerdem dienen Testosteronderivate als Dopingmittel im Sport.
Serotonin wird vor allem im Hirnstamm und im Hypothalamus gebildet. Es vermittelt eine Verengung der Blutgefäße und steigert die Herzfrequenz sowie die Schlagkraft des Herzens. Außerdem steuert Serotonin im Zusammenspiel mit anderen Botenstoffen das Gefühlsleben, Schlafrhythmus, Sexualtrieb und die Körpertemperatur. Serotonindefizite entstehen häufig bei vermehrter Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Gereiztheit. Häufig besteht auch ein Zusammenhang zu Verdauungsstörungen. Durch gezielte Diagnostik undentsprechender Therapie lassen sich langfristig die Symptome der chronischen Erschöpfung kompensieren.


Stoffwechsel-Hormone

Insulin
Der vielleicht bekannteste Botenstoff wird in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) aus einem Vorläuferhormon, dem Proinsulin gebildet. Aus Proinsulin entstehen zu gleichen Teilen C-Peptid und Insulin. Während das C-Peptid keine wesentliche Bedeutung im Körper hat, besitzt Insulin ein breites und komplexes Wirkungsspektrum.
Gemeinsam mit Glukagon und dem Wachstumshormon Somatostatin regelt Insulin den Blutzuckerhaushalt, wobei nur Insulin den Blutzuckerspiegel senken kann. Ein hoher Blutzuckerspiegel, der meist kurz nach der Nahrungsaufnahme auftritt, wirkt als wichtigster Stimulus für die Insulinausschüttung. Insulin bewirkt, dass der Zucker (Glukose), in die Zellen des Körpers aufgenommen wird, wodurch der Blutzuckerspiegel wieder sinkt. Gleichzeitig beeinflusst Insulin auf vielfältige Weise die Weiterverarbeitung der Glukose in den Zellen sowie den Fett- und Eiweißstoffwechsel.
Ein Mangel an Insulin, unabhängig davon, wie er verursacht wurde, resultiert in einem dauerhaft überhöhten Blutzuckerspiegel. Die Folge ist die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Beim Typ 1-Diabetes liegt ein absoluter Insulinmangel vor, so dass dem Körper gentechnisch hergestelltes oder tierisches Insulin zugeführt werden muss. Beim Diabetes mellitus Typ- 2 besteht ein so genannter. relativer Insulinmangel. Dabei produziert die Bauchspeicheldrüse zwar genügend Insulin, die Empfangszellen können es aber nicht verwerten (Insulinresistenz). Mitunter ist in diesen Fällen der absolute Insulin- bzw. C-Peptid-Spiegel sogar erhöht.
Insulin und C-Peptid lassen sich im Blutserum nachweisen. Für einen Blutzuckertest muss der Patient nüchtern zur Blutprobe kommen, d. h. er darf zehn bis zwölf Stunden zuvor nichts gegessen oder getrunken haben.

Schilddrüsenhormone
Bei den klassischen Schilddrüsenhormonen handelt es sich um Thyroxin und Triiodthyronin, sowie um das schwach aktive Schilddrüsenhormon ist Diiodthyronin.Die Hormone werden an Transporthormone gebunden und als inaktive Hormone abgegeben Die Hormone werden erst bei Bedarf in freie Hormone umgebildet..Dabei wird freies T4 (fT4) durch einfache Freisetzung des T4 aus seiner Eiweißbindung gebildet. Das T3 aktivierende Hormon, die Thyroxindeiodinasen ist selenabhängig und benötigt Serotonin.
 
Iodaufnahme in die Schilddrüsenfollikel
Für die Synthese der Schilddrüsenhormone wird Iod benötigt, das mit der Nahrung in Form von Iodid-Ionen aufgenommen wird. Die Schilddrüse ist auf eine regelmäßige und ausreichende Iodzufuhr angewiesen.. Der Hypothalamus schüttet das TRH (Syn. Thyreoliberin oder Thyreotropin-Releasinghormon) aus. TRH regt die Hypophyse zur Ausschüttung von TSH (Syn. Thyreotropin oder Thyroidea stimulierendes Hormon) an.
Das TSH der Hypophyse bewirkt eine verstärkte Bildung der Schilddrüsenhormone T3 und T4. Die Schilddrüsenhormone gelangen über die Blutbahn an die Zielzellen und entfalten dort ihre Wirkung, wobei sie sich ganz ähnlich wie Steroidhormone verhalten. Über die Blutbahn gelangen die Hormone auch in den Bereich von Hypothalamus und Hypophyse. Diese können mit speziellen Rezeptoren den T3 und T4 Blutspiegel wahrnehmen.
Beim Gesunden dienen die Schilddrüsenhormone der Aufrechterhaltung einer ausgeglichenen Energiebilanz des Organismus. Sie ermöglichen, dass der Stoffwechsel dem jeweiligen Bedarf angepasst werden kann. Im Kindesalter regen die Hormone die Tätigkeit der Körperzellen aller Organe an. Sie fördern in diesem Lebensabschnitt das Wachstum.Im Erwachsenenalter haben sie auf die Gewebe des Gehirns, der Hoden und der Milz keinen Einfluss, in allen anderen Geweben steigern sie den Stoffwechsel. Die biochemische Wirkung in der einzelnen Körperzelle ist noch nicht ganz genau geklärt.
Wichtig ist aber, dass die Schilddrüsenhormone auf die Tätigkeit anderer endokrinen Drüsen einwirken. So fördern sie die Abgabe des Wachstumshormons STH durch die Hypophyse, greifen in den Glukosestoffwechsel über Steigerung der Insulinfreisetzung aus der Bauchspeicheldrüse ein und regen die Tätigkeit der Nebenniere, besonders der Nebennierenrinde an. Eine Wechselwirkung mit den Sexualhormonen ist ebenfalls bekannt.
Liothyronin wird manchmal bei der Therapie der Unterfunktion in Kombination mit Thyroxin verschrieben, zum Beispiel wenn der Patient nicht genügend eigenes T3 aus dem Thyroxin bildet.

Somatostatin
Somatostatin wird im Hypothalamus und in bestimmten Zellen der Bauchspeicheldrüse gebildet. Es gehört zu den Steuerungshormonen und hemmt die Ausschüttung des Wachstumshormons (Somatotropin), von TSH (Steuerungshormon der Schilddrüse), von ACTH (Steuerungshormon u. a. für Kortisol), von Insulin und Glukagon. Außerdem bremst es die Sekretion von Magensaft sowie die Beweglichkeit des Magens und des Darmes


Übersicht: Hormone und ihre Funktion

Hormon

Bildungsort

Funktion

ACTH, Adrenokortikotropes Hormon

Hypophysenvorderlappen

ACTH regt die Nebennierenrinde zur Ausschüttung von Kortisol an.

Adrenalin und Noradrenalin

Nebennierenmark

Adrenalin und Noradrenalin sind Streßhormone. Sie steigern in Sekundenschnelle die Herz-Kreislauf-Funktionen und versetzen Nerven und Gehirn in Alarmzustand. In Notfällen mobilisieren sie die notwendigen Energiereserven. Das zeigt sich in einer beschleunigten Herztätigkeit, Erhöhung des Blutdrucks, Freisetzung von Glukose und verstärkten Durchblutung der Muskulatur. Noradrenalin hat eine schmerzhemmende Wirkung.

Aldosteron

Nebennierenrinde

Aldosteron wirkt vor allem auf die Niere. Es reguliert den Elektrolyt- und Wasserhaushalt im Körper. Es erhöht die Resorption von Natriumionen aus den Nieren, wodurch der Natriumspiegel im Blut erhöht wird. Die Ausscheidung von Kalium- und Wasserstoffionen wird gefördert. Dadurch sinkt der Kaliumspiegel im Blut. Gleichzeitig wird Wasser zurückgehalten. So hat Aldosteron auch Einfluß auf die Regulation des Blutvolumens und des Blutdrucks. Ähnlich wirkt Aldosteron auf den Wasser- und Ionentransport im Darm sowie in Schweiß- und Speicheldrüsen.

Androgene

Nebennierenrinde

Androgene ist ein Sammelbegriff für männliche Sexualhormone. Sie sind geschlechtsspezifisch wirksam, indem sie die Geschlechtsdifferenzierung der männlichen Fortpflanzungsorgane fördern. Sie sind auch für die Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale wir z. B. den Bartwuchs, Körperbehaarung und Stimmbruch verantwortlich. Androgene sind anabol wirksam, d. h. sie fördern das Knochen- und Muskelwachstum. Wichtigstes Androgen ist das Testosteron. Männliche Hormone werden auch in den Eierstöcken und der Nebennierenrinde von Frauen produziert. Ein Östrogenmangel in der Postmenopause kann zu einem relativen Überschuss der männlichen Hormone führen.

Androstendion

Nebennierenrinde

Androgenes Hormon, das den Aufbau von körpereigenem Eiweiß beschleunigt. Wirkt als männliches Sexualhormon, indem es in Testosteron, aber auch in Vorstufen von Östrogen umgewandelt werden kann.

Cholezystokinin- Pankreozymin, CCK

Dünndarmschleimhaut

CCK fördert die Darmbeweglichkeit und senkt die Beweglichkeit des Magens. Es bewirkt die Kontraktion der Gallenblase und steigert die Bauchspeicheldrüsensekretion.

CRH, Corticotropin- Releasinghormon

Hypothalamus

CRH stimuliert den Hypophysenvorderlappen zur Ausschüttung von ACTH, das wiederum Kortisol aus der Nebennierenrinde freisetzt. Am frühen Morgen ist der Blutspiegel von Kortisol am höchsten, nachts am niedrigsten. Das nennt sich zirkadianer Rhythmus.

DHEA, Dehydroepiandrosteron

Nebennierenrinde

Androgenes Hormon, das den Aufbau von körpereigenem Eiweiß beschleunigt. Wirkt als männliches Sexualhormon, indem es in Testosteron, aber auch in Vorstufen von Östrogen umgewandelt werden kann.

Endorphine

Hypophyse, Nervensystem

Endorphine entfalten ihre Wirkung insbesondere im Gehirn und im verschiedenen Körperteilen. Sie wirken stark schmerzstillend und sind an verschiedenen vegetativen Prozessen beteiligt, u. a. Regulation der Körpertemperatur, Steuerung von Antrieb und Verhalten, Hemmung der Darmbeweglichkeit. Sie werden auch als natürliches "Opium" bezeichnet. Endorphine sorgen für ein starkes Glücksgefühl und machen regelrecht "high".

FSH, Follikel- stimulierendes Hormon

Hypophysenvorderlappen

FSH wirkt auf die Gonaden. Es regt bei der Frau die Bildung von Östrogen und die Reifung der Eizellen im Eierstock an. Beim Mann sorgt FSH für die Entwicklung der Spermien.

Gastrin

Magenschleimhaut

Gastrin steigert die Magenbeweglichkeit, fördert die Salzsäurebildung im Magen und steigert die Sekretion von Gallen und Bauchspeicheldrüsensekret.

Gestagene

Gelbkörper

Gestagene sind synthetische Hormone, die dem Progesteron, dem körpereigenen Gelbkörperhormon, ähneln. Die künstlich hergesteIlten Gestagene werden in der hormonellen Schwangerschaftsverhütung zur Verhinderung des Eisprungs eingesetzt. Bei der hormonellen Therapie sorgen Gestagene für eine regelmäßige Regelblutung. Das dient dem Schutz der Gebärmutterschleimhaut, denn der regelmäßige Abbau der Schleimhaut ist ein wirksamer Schutz vor einer Tumorentwicklung.

GH-IH, Growth Hormone- Inhibitinghormon, Somatostatin

Hypothalamus

GH-IH hemmt die Freisetzung von Wachstumshormon aus dem Hypophysenvorderlappen. Somatostatin wird außerdem in den D-Zellen des Verdauungstraktes und der Bauchspeicheldrüse gebildet. Als solches hat es die Funktion, die Sekretion von Magensaft und Bauchspeichel zu hemmen.

GH-RH, Growth Hormone-Releasinghormon, Somatoliberin

Hypothalamus

GH-RH fördert die Freisetzung von Wachstumshormon aus dem Hypophysenvorderlappen. Es hat Einfluß auf das Längenwachstum vor der Pubertät. Es fördert das Wachstum der inneren Organe und hat Einfluß auf den Stoffwechsel.

Glukagon

Bauchspeicheldrüse

Glukagon hebt den Blutzuckerspiegel. Es ist ein Gegenspieler von Insulin.

Gn-RH, Gonadoliberin, FSH-RH, LH-RH

Hypothalamus

Gn-RH ist ein Hormon, das den Hypophysenvorderlappen zur Ausschüttung von zwei verschiedenen Sexualhormonen anregt, dem FSH und LH. Damit steuert es die gesamte Sexualfunktion von Mann und Frau.

Insulin

Bauchspeicheldrüse

Insulin senkt den Blutzuckerspiegel.

Kalzitonin

Schilddrüse

Kalzitonin reguliert, zusammen mit dem Parathormon, den Kalziumhaushalt des Körpers. Es stoppt die Aufnahme von Kalzium aus dem Darm, lagert verstärkt Kalzium und Phosphat im Knochen ab, führt zur vermehrten Ausscheidung von Kalzium über die Nieren und senkt die Kalziumkonzentration im Blut.

Kortison, Kortisol

Nebennierenrinde

Kortison und Kortisol sind Glukokortikoide. Zusammengefaßt haben sie folgende Wirkungen: Abbau von Eiweißen in der Muskulatur, in der Haut und im Fettgewebe. Abbau von Fett aus den peripheren Fettdepots (Lipolyse). Dadurch gelangen freie Fettsäuren ins Blut. Förderung der Gykogensynthese in der Leber. Erhöhung der Glukosekonzentration im Blut. Antientzündlicher Effekt bei Verletzungen. Immunsuppressiver Effekt durch Hemmung der Abwehrzellen. Antiallergischer Effekt durch die Hemmung der Entzündungsreaktionen, die bei einer Allergie auftreten.

LH, Luteinisierendes Hormon

Hypophysenvorderlappen

LH wirkt auf die Gonaden. Bei der Frau unterstützt es die Eireifung, den Eisprung und die Bildung des Gelbkörpers, beim Mann fördert es die Spermienreifung. Es erhöht die Abgabe von Testosteron aus den Leydig- Zwischenzellen des Hodens.

Melatonin

Zirbeldrüse

Melatonin ist ein schlafförderndes Hormon, das die sogenannte "innere Uhr" des Menschen reguliert. Es ist am Alterungsprozess des Körpers beteiligt Melatonin ist das wichtigste Antioxidans im Körper.

MSH, melanozyten- stimulierendes Hormon

Hypophysenvorderlappen

MSH hat einen Einfluß auf die Pigmentierung der Haut, indem es die pigmentbildenden Melanozyten beeinflußt.

MSH-IH, MIH, Melanostatin

Hypothalamus

MSH-IH bewirkt als Gegenspieler von MSH-RH eine verminderte Ausschüttung von MSH aus dem Hypophysenvorderlappen.

MSH-RH, MRH, Melanoliberin

Hypothalamus

MSH-RH bewirkt die Freisetzung von Melanotropin (MSH) aus dem Hypophysenvorderlappen. Dadurch wird die Pigmentierung der Haut verstärkt.

Östrogene

Eierstöcke

Östrogen ist ein Oberbegriff für die wichtigsten weiblichen Geschlechtshormone, wie Estradiol, Estron und Estriol. Es gibt über 30 verschiedene Hormone, die in dieser Gruppe zusammengefaßt sind. Östrogene werden während der Reifephase in den Follikeln (Eibläschen) der Eierstöcke und in der Plazenta (Mutterkuchen) produziert und haben im weiblichen Körper verschieden Aufgaben. Insgesamt ist es das Hormon, das den größten Beitrag zur körperlichen und psychischen Entwicklung und Lebensgefühl jeder Frau leistet. Beginnend in der Pubertät mit der Brustentwicklung, über den monatlichen Zyklus bis hin zum Knochenaufbau und der Kollagenbildung zur Erhaltung der Hautelastizität, sind Östrogene im Spiel. Sie schaffen die Voraussetzungen für eine Schwangerschaft und für Sex. Sie wirken stärkend auf Knochen und Herz und stabilisieren das seelische Gleichgewicht. Außerdem sorgen sie für das typische weibliche Erscheinungsbild in Figur, Haut und Behaarung. Folgende Östrogen-Arten gibt es:

  • Natürliche Östrogene, sind identisch mit den Östrogenen, die in den Eierstöcken gebildet werden, dazu gehört z. B. 17ß-Östradiol.
  • Synthetische Östrogene, sind künstlich hergestellte Östrogene, die der Körper nicht bildet. Sie werden in Anti-Baby-Pillen eingesetzt. Dazu gehört z. B. Ethinylestradiol. Die Östrogene, die zur Hormonersatztherapie bei Wechseljahresbeschwerden eingesetzt werden, sind keine synthetischen Östrogene.
  • Konjugierte Östrogene, sind eine Mischung verschiedener Substanzen, die ähnlich den Östrogenen aufgebaut sind. Sie werde entweder aus Pflanzen oder dem Harn trächtiger Stuten gewonnen.

Oxytocin

Hypothalamus

Oxytocin ist ein Hormon, das während der Schwangerschaft zur Auslösung der  Wehentätigkeit während der Geburt führt. Während der Stillperiode sorgt Oxytocin außerdem für den Einschuß der Muttermilch. Die Ausschüttung erfolgt über den Hypophysenhinterlappen direkt in die Blutbahn.

Parathormon

Nebenschilddrüse

Parathormon reguliert, zusammen mit dem Kalzitonin, den Kalziumhaushalt des Körpers. Es erhöht die Aufnahme von Kalzium aus dem Darm, verstärkt die Abgabe von Kalzium und Phosphat vom Knochen ins Blut, senkt die Ausscheidung von Kalzium über die Nieren und erhöht die Kalziumkonzentration im Blut. Das Parathormon braucht für seine Wirksamkeit Vitamin D.

PRL-RH, Prolaktin- Releasinghormon, Prolaktoliberin

Hypothalamus

PRL-RH stimuliert den Hypophysenvorderlappen zur Ausschüttung von Prolaktin.

Progesteron

Gelbkörper

Ist ein weibliches Geschlechtshormon, das bei fruchtbaren Frauen in der zweiten Hälfte des Zyklus im Gelbkörper des Eierstocks gebildet wird. Während der zweiten Zyklusphase ist Progesteron das vorherrschende Hormon. Die Gebärmutter wird in dieser Phase auf eine mögliche Schwangerschaft vorbereitet. Findet keine Befruchtung statt, bildet sich der Gelbkörper zurück. Dadurch fällt der Progesteron-Blutspiegel ab und es kommt zum Abbau der Gebärmutterschleimhaut, der Menstruation. Kommt es zu einer Schwangerschaft bereitet Progesteron die Brustdrüsen auf die Milchproduktion und -abgabe vor. Außerdem sorgt es während der Schwangerschaft für einem dauerhaften Anstieg der Basaltemperatur. Basaltemperatur ist ein medizinischer Begriff für die Morgentemperatur, die Temperatur, die morgens beim Aufwachen gemessen wird. Progesteron wird in der Schwangerschaft vorwiegend im Mutterkuchen (Plazenta) produziert.

Prolaktin

Hypophysenvorderlappen

Prolaktin regt das Wachstum der Brustdrüsen an und fördert die Produktion der Milch in den Brustdrüsen. Stimuliert wird die Ausschüttung von Prolaktin durch das Saugen des Kindes an der Brustwarze.

Sekretin

Dünndarmschleimhaut

Sekretin fördert die Gallenbildung, hemmt die Magenbeweglichkeit und fördert die Bikarbonatbildung in der Bauchspeicheldrüse.

Serotonin

 

Serotonin hat vielfältige Wirkungen. In Lunge und Niere verengt es die Arteriolen, während sie in der Skelettmuskulatur geweitet wird. Es beeinflusst die Kontraktion des Herzmuskels und die Bewegung der Magen-Darm- Muskulatur. Im ZNS hat Serotonin Auswirkungen auf die Stimmungslage, den Schlaf- Wach- Rhythmus, die Schmerzwahrnehmung, die Körpertemperatur und die Nahrungsaufnahme.

STH, Somatotropes Hormon, Wachstumshormon, HGH, Human growth Hormone

Hypophysenvorderlappen

Das Wachstumshormon kontrolliert das Längenwachstum vor der Pubertät. Es fördert das Wachstum der inneren Organe und hat Einfluß auf den Stoffwechsel. Zusätzlich ist es an der Verknöcherung des Skeletts beteiligt und an der Bildung von Glucose in der Leber. Die Bildung und Ausschüttung des Wachstumshormons wird über die Hypothalamushormone GH-RH und GH-IH gesteuert.

Testosteron

Hoden

Testosteron zählt zur Gruppe der Androgene und ist das wichtigste männliche Geschlechtshormon. Auch bei Frauen wird in den Eierstöcken und in der Nebennierenrinde Testosteron in geringen Mengen produziert. Es steigert die Libido der Frau, führt aber bei einem Überschuss zu einer allgemeinen Vermännlichung (Virilisierung). Im männlichen Körper bewirkt Testosteron die Entwicklung der Geschlechtsorgane, die Ausbildung der Geschlechtsmerkmale (Behaarungs- und Fettverteilungsmuster, tiefe Stimme) und die Samenbildung. Im männlichen und im weiblichen Körper trägt Testosteron zum Wachstum der Knochen in der Entwicklungsphase bei, erhöht die Muskelmasse und senkt das Cholesterin im Blut.

T3, Trijodthyronin

Schilddrüse

T3 ist in der Lage, in fundamentale Stoffwechselprozesse einzugreifen und wirkt aktivierend. Es fördert die Wärmeentwicklung, erhöht den Sauerstoffverbrauch, beschleunigt die Kohlenhydrataufnahme, steigert die Neubildung von Glukose sowie die Mobilisation des Leberglykogens (Glykogen = Speicherform von Kohlenhydraten), aktiviert die Freisetzung körpereigener Fettbestände, beschleunigt den Cholesterinaufbau und -abbau, fördert die Proteinsynthese, beeinflußt den Wasserhaushalt und den Knochenstoffwechsel. Unentbehrlich sind Schilddrüsenhormone für die Wachstums- und Reifungsprozesse des Skeletts sowie für die Gehirnentwicklung.

T4, Tyroxin

Schilddrüse

Gleiche, aber weniger intensive Wirkung wie T3. Dafür ist die Konzentration von T4 10mal höher, als die von T3.

TRH, Thyreotropin- Releasinghormon

Hypothalamus

TRH regt den Hypophysenvorderlappen zur Ausschüttung von TSH (Thyroidea stimulierenden Hormon) an. Dieses Hormon fördert in der Schilddrüse die Abgabe von T3 und T4 ins Blut.

TSH, Thyroidea- stimulierendes Hormon

Hypophysenvorderlappen

TSH regt die Schilddrüse zur Freisetzung der Schilddrüsenhormone T3 und T4 an. Außerdem fördert TSH die Teilungsfrequenz der Schilddrüsenzellen. Das wirkt sich vergrößernd auf die Schilddrüse aus.

VIP, Vasoaktives intestinales Peptid

Darmwand

VIP fördert die Durchblutung und erhöht den Tonus der glatten Muskulatur.



Nachweismethoden für Hormone
Hormone lassen sich im Blutserum und im Urin sowie im Speichel nachweisen. Da Hormone eine starke Wirkung haben, sind sie in äußerst geringen Konzentrationen im Blut vorhanden. Deshalb braucht man sehr empfindliche Untersuchungsmethoden (Immunoassay und Radioimmunoassay). Aber nicht die geringen Hormonkonzentrationen im Blut macht die Hormonbestimmung problematisch. Die vorhandenen Hormonmengen schwanken zudem stark.

Sie können sich im Jahresrhythmus (Testosteron beim Mann), im Monatsrhythmus (Östrogen bei der Frau), im Tagesrhythmus (Kortisol) oder sogar im Stundenrhythmus (follikelstimulierendes Hormon) ändern. Je nach dem Muss man bei den Hormonbestimmungen Zeiten und Untersuchungsabstände sehr genau einhalten, denn sonst erhält man keine zuverlässige Aussage

Außerdem bleiben Hormone nur eine begrenzte Zeit im Blut erhalten, denn sie werden durch Enzyme oder Wärme sehr rasch abgebaut. Deshalb muss bei manchen Hormonen (ACTH, Parathormon,Calcitonin) die Blutprobe schon während der Abnahme gekühlt oder ein Enzymhemmer zugegeben werden.

Um die genaue Ursache einer Hormonstörung zu finden, reicht es oft nicht aus, nur die direkt wirkenden Hormone zu bestimmen. Auch die Steuerungshormone müssen mit in die Untersuchung eingeschlossen werden.

Neue Labormethoden haben es nun aber ermöglicht das Hormonprofil exakt zu bestimmen und einen eventuellen Hormonmangel oder eine Störung des Zusammenspiels der Hormone festzustellen. Diese Untersuchungen sind aus Urin-, Speichel oder Blutuntersuchungen ohne größeren Aufwand verlässlich bestimmbar und werden von uns im Blood- bzw. Urinspottechnik (ggf. auch im Salivaspot) angeboten. Dabei handelt es sich um eine empfindliche Methode die weniger von äußeren Einflußfaktoren wie z.B. dem Probentransport abhängt. Bei dieser Testmethode handelt es sich um eine Weltneuheit die nur von bestimmten Laboratorien angeboten wird.
Die entsprechende Therapie kann je nach Befund auch durch natürliche sogenannte bio-identische Hormone durchgeführt werden, die entweder lokal auf die Haut aufgetragen oder eingenommen werden. Bei solchen natürlichen Hormonen ist die Gefahr der Nebenwirkungen möglicherweise reduziert.
Im Hormonprofil lässt sich ebenfalls durch eine einfache Urinuntersuchung der Östrogenmetabolismus kontrollieren. Diese Testmethode gibt laut einer großen wissenschaftlichen Studie Auskunft über das individuelle Brustkrebs-Risiko für eine Hormonersatztherapie. Diese Methode ersetzt jedoch nicht der notwendigen Gesundheitskontrolle bei einem Frauenarzt.